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Herkunftskennzeichnung bei gourmetfein

Bei Fleisch gilt: Transparenz verpflichtet

Fritz Floimayr über Herkunftskennzeichnung


Wir brauchen nicht 10 %, sondern 100 % Regionalität

Fritz Floimayr ist Umweltaktivist und Gründer der einzigen österreichischen Fleischverarbeiterfirma, die ausschließlich AMA-zertifizierte Ware verwendet und das mit einer eidesstattlichen Erklärung garantiert.

Wer die hitziger werdenden Diskussionen in den letzten Wochen zur Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln verfolgt hat, könnte meinen, wir leben noch in den 1980er-Jahren. Da wird doch allen Ernstes darüber debattiert, ob man den Konsumenten sagen soll, woher das Fleisch w irklich stammt, oder ob man sie weiter darüber im Dunkeln lassen soll. Was soll die Frage? Wieso sollte ausgerechnet bei dem, was wir essen, wo neben unserer Gesundheit auch das Wohl der Tiere und der Umwelt dranhängt, der Schleier der Verschwiegenheit ausgebreitet werden dürfen?

Während man im Supermarkt zumindest bei Frischf leisch im Großen und Ganzen sicher sein kann, dass es aus Österreich stammt, so ist es bei verarbeiteten Produkten ganz und gar nicht so. Denken wir beispielsweise an den berühmten "Tiroler Speck", der Schweinef leisch aus Spanien enthält, oder die vielen Wurstprodukte, wo man hoffen muss, dass sie zumindest in Österreich verpackt wurden. Und beim Leberkäse wird sowieso allerlei Schindluder betrieben. Dabei sage ich aus Erfahrung: Das kann eine Jause sein, die nicht nur köstlich, sondern auch qualitativ hochwertig ist.

Ich habe vor Jahren für mein Unternehmen Gourmetfein entschieden, dass wir ein Maximum an Transparenz leben und sogar den Namen der Bauernfamilie, die die Tiere aufgezogen hat, auf die Packung schreiben. Weil wir der Meinung sind, dass die Kunden ein Recht darauf haben, zu erfahren, woher das Fleisch stammt. Und weil das der beste Beitrag ist, den ich als Unternehmer für unsere Landwirtschaft leisten kann. Seien wir doch ehrlich: Wenn nicht draufsteht, woher das Fleisch kommt, dann stammt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eben nicht aus Österreich.

Wer weiß, dass nur rund ein Drittel des in Österreich kon su m ier ten Schweinef leisches nicht einmal unter dem AMA-Standard erzeugt wird, der kann sich ausmalen, wie es um die Regionalität bestellt ist. Bei verarbeiteten Produkten liegt der Wert vermutlich noch deutlich darunter. Dabei sollte AMA ohnehin nur unser Mindestmaß sein. In Wahrheit sollten wir alle viel höhere Standards anlegen, wenn wir Fleisch erzeugen, sowohl was den Umgang mit Tieren als auch was die Wertschätzung gegenüber dem Boden betrifft, den unsere Partnerbauern bewirtschaften.

Wer seinen Kindern eine verseuchte Umwelt hinterlässt, weil er aus Kostengründen auf Regenwald-Soja oder den Einsatz von mutmaßlich krebserregendem Glyphosat setzt, der sollte das auch deklarieren müssen. Wer die Schweine im Alter von wenigen Tagen oder kurz vor der Schlachtung in Langstreckentransporten lebendig aus dem Ausland importiert, der sollte das gegenüber den Konsumenten ausweisen müssen. Sonst glauben die Menschen weiterhin fälschlicherweise, dass die schöne Heimatkulisse auf der Packung irgendwas über die Herkunft aussagt.

Als Brancheninsider weiß ich, dass die Transparenz nicht an der Technik scheitert, sondern lediglich am Willen. Wenn jemand heute nicht deklariert, woher er die Schweine bezieht, dann hat das einen Grund. Und da kann man noch so viel in Werbung investieren und ein paar "Tierwohl-Ställe" als Vorzeigeprojekte in die Auslage stellen, das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eben nicht das Ausmaß an Regionalität gelebt wird, das den Kunden in schönen Worten versprochen wird. Ich meine, wir brauchen nicht zehn oder 20 Prozent Regionalität, sondern 100 Prozent.

Wenn man sich anschaut, unter was für einem Druck unsere Bauern stehen und wie sehr die Natur mittlerweile geschädigt ist, dann sollte das nicht mehr diskutiert werden. Wir brauchen die verpf lichtende Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Produkten und selbstverständlich auch in der Gastronomie. Transparenz verpflichtet - wer nicht angeben möchte, woher die Rohstoffe für sein Fleisch wirklich stammen, soll zumindest "Herkunft unbekannt" draufschreiben müssen. Dann können die Konsumenten auch ihrer persönlichen Verantwortung nachkommen und mit dem Griff ins Kühlregal ihren Beitrag zur positiven Entwicklung der Welt leisten. Zeit wird's!

Glückliche Kühe Neben der Gesundheit geht's auch ums Wohl der Tiere

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